Jacky Godoffe im Interview

„ES MUSS EIN GUTER MIX SEIN“

Jacky Godoffe ist ein französischer Kletterer und seit 1995 internationaler Routensetzer und Ausbilder. Er zeigt sich für die offizielle IFSC-Routensetzungskommission verantwortlich und koordiniert das französische Boulder-Trainingszentrums. Zudem hat der 65-Jährige bereits einige Bücher zum Thema verfasst.

Seit über 30 Jahren sind Sie Routenbauer. Was motiviert Sie immer wieder aufs neue diesen Beruf auszuüben?

Was mich am meisten motiviert sind die Geschichten, die mit jeder Route neu geschrieben werden – das Schöne daran ist, dass diese Geschichten mit Menschen zu tun haben. Es muss vieles zusammenspielen, das wichtigste aber ist, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Warum haben Sie aufgehört, Routen für den Boulder-Weltcup zu bauen?

Ich habe im Vorjahr aufgehört im höchsten Segment zu setzen, weil meine persönliche Fitness nicht mehr hoch genug ist, um mit den jungen Athleten mitzuhalten. Ich bin mit meinen über sechzig Jahren nicht mehr so agil. Das ist das Leben! Die Routen müssen auch dem Alter entsprechen. Ich setze für den Europacup und für Jugendwettkämpfe – und ich liebe es nach wie vor, das zu tun.

Viele sagen dass Routenbauen eine Art Kunst ist. Wie sehen Sie das?

Ich finde nicht, dass es Kunst ist, sondern ich sehe jeden Routenbau als eine neue weiße Seite, die man gemeinsam mit seinem Team und den Athleten schreiben kann. Am Ende des Tages muss ein Ziel erreicht werden, das für alle gut geht. Dann haben wir alle gemeinsam einen guten Job gemacht.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Routenbauer aus?

Das ist eine gute Frage: Es ist die Summe an dem, was man als Routenbauer gibt und was die Athleten geben. Man kann das Ganze als ein Kartenspiel sehen; ich spiele meine Karten mit Erwartungshaltung und Zielen, die Athleten spielen ihre Karten mit ihren Skills – die Chemie sollte für beide Seiten stimmen.

Worauf achten Sie beim Bauen?

Ich möchte für alle Teilnehmer fair bauen; so dass nicht nur die Technik, sondern auch die physischen Komponenten eine Rolle spielen – es muss ein guter Mix sein. Nicht jeder Athlet hat dieselbe Spannweite, dieselbe Größe; die Routen müssen aber so gesetzt sein, dass es faire Bedingungen für alle gibt.

Der Kletterbereich ist nicht nur Ihr Beruf, sondern auch Ihr Hobby. Sie geben Ihre Leidenschaft auch jungen Athleten weiter. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Weil es wichtig ist, Menschen mit einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. Ich will nicht nur gute Routen bauen, sondern mir ist auch eine gute zwischenmenschliche Beziehung zwischen allen Beteiligten sehr wichtig.

In welche Richtung wird sich der Routenbau entwickeln?

Der Routenbau wird sich verändern, mit Sicherheit. In welche Richtung kann ich nicht sagen und will ich auch nicht. Das müssen die jungen Routenbauer entscheiden, das junge Blut, das nachkommt und die Routen der Zukunft baut.

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